(14) Knödel Kopie

Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 14

Einkaufen kann so schön sein.

Ein ähnlich unbeschreibliches Glücksgefühl wie es beispielweise eine Fashionista beim Kauf neuen Schuhwerks mit roten Sohlen verspürt, stellt sich bei einem Koch immer dann ein, wenn er gute Lebensmittel oder auch nette Spielereien für die Küche kaufen kann. Heute sind wir glücklich. Sogar sehr glücklich.

Um 10:30 Uhr beginnt unser kleiner Einkaufsmarathon. Die erste Station ist der Gemüsehändler auf dem Großmarkt. Kistenweise packen wir Gemüse, Früchte und Kräuter auf den Wagen. Die Basis für die neue Restaurantwoche ist damit gelegt. Darauf können wir aufbauen. Da uns die Auberginen vor Ort nicht überzeugen, machen wir noch einen kleinen Abstecher zum türkischen Kollegen gegenüber. Unsere zweite Station auf dem Großmarktgelände. Das lilafarbenen, geschmacklich eher im neutralen Bereich angesiedelte Gemüse, ist hier deutlich ansehlicher. Kirschtomaten sind ebenfalls bilderbuchdruckreif. Rauf auf den Wagen und rein ins Auto.

Nach dem Großmarkt geht’s zum Feinkostitaliener. Neben einigen Kisten Wein, Steinpilzen, Olivenöl, geschälten Tomaten und Thunfisch, kaufen wir auch 1A-Schmierseife. Immer wieder erstaunlich, wie gut sortiert doch italienische Fachgeschäfte so sind und welch breites Spektrum sie an Delikatessen bereithalten.

Vierte und letzte Station ist der Cash&Carry-Markt. Hier gibt es heute zehn Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment. Als wir den Parkplatz ansteuern haben wir Zweifel, ob wir überhaupt noch etwas in den Regalen vorfinden. Wir werden fündig und nutzen den verbleibenden Stauraum im Auto für einen ausgiebigen und recht bunten Einkauf quer durch das Sortiment des Marktes.

Auf dem Weg zurück ins Restaurant fühle ich mich wie Frau nach drei Paar Schuhen plus einmal Bonus Handtasche in, sagen wir, zweieinhalb Stunden. Großartig.

Nach einem kleinen Mittagessen tauschen wir dann wieder Ausgehpulli mit Kochjacke und Schürze. Ran ans Gemüse. Der Souschef ist aus dem Urlaub zurück und ist bereits mit den Vorbereitungen für den Abend beschäftigt. Das gibt uns wiederum die Möglichkeit, Vorbereitungen für eine recht große Feier Ende der Woche zu treffen. Wir verarbeiten zweieinhalb Liter Sahne, vierundzwanzig Eigelbe, eine nicht zu unterschätzende Menge an Zucker und noch ordentlich Rum und Kürbiskernöl zu einer wunderbar luftig-cremigen Masse. Bei minus zwanzig Grad wird daraus ein vorzügliches Parfait.

Danach rollen wir Klöße. Vor das Rollen hat der Koch allerdings das Produzierten des Kloßteiges gestellt. Kürbispüree und Kartoffelschnee zu in etwa gleichen Teilen wird mit Mehl und ein wenig Gries zu einer geschmeidigen Masse verknetet. Geschmeidig ist wichtig. Dann liegen die Klöße dann später auch gut in der Hand. Wir rollen einen Probekloß, lassen ihn ins Wasser gleiten und warten geduldig bis er von seinem Tauchgang wieder aufsteigt. Schaumkelle rein, Kloß raus. Es schmeckt uns noch nicht genug nach Kürbis. Gut, dass von dem Halloween-Brei noch etwas da ist. Wir arbeiten ihn unter und begleiten den Untergang noch mit einer Prise Salz. Und dann kann es losgehen. Als Kloßgrößenmaß dient uns ein Eiskugelportionierer. Vielleicht sollte ich noch über ein Praktikum in einer Eisdiele nachdenken. Das Hilfswerkzeug beherrsche ich vom ersten Kloß an. Das Endergebnis nach Runddrehen und Abtauchen sieht nicht nur gut aus, es schmeckt auch.

Nebenbei läuft jetzt auch schon der À la Carte-Service, den der Souschef mit der restlichen Küchecrew souverän bedient.

Gegen halb elf sind wir dann durch. Die Töpfe sind leer. Die Küche ist geputzt. Und die Knödel machen es sich im Kühlhaus bequem.

Morgen ist das Finale. Gewonnen habe ich schon jetzt.

 

 

  1 comment for “Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 14”

  1. Aenie
    6. November 2014 at 22:27

    freu mich, dass du bald wieder daheim bist und noch mehr freue ich mich auf die geschichten. doch was uns sicherlich alle interessiert-wie geht es denn dann mit dem blog weiter!? alles liebe!

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