Darf es ein bisschen mehr sein?
Nach der gestrigen Rohwurstparade folgt heute der Brühwurstaufmarsch. In den ersten Reihen stehen die Sorten, für die anstelle des Pökelsalzes normales Kochsalz verwendet wird. Das Kochsalz sorgt für eine andere Farbe der Wurst. Die ist dann eben nicht mehr irgendwie rötlich, sondern eher so, als würde man ein weißes T-Shirt als kleinen Farbkontrast in die Trommel Dunkles einschleusen. Macht man das mit einer gewissen Beharrlichkeit und am Ende sogar mit Niedertemperatur, wandelt sich das unschuldige Weiß Waschgang für Waschgang in Kochsalzwurstfarbe.
Wir legen los. Als erstes steht die Gelbwurst auf dem Plan. Die drücken wir in gelbe Kunstdärme mittleren Durchmessers. Kurze gelbe Därme für kleine Würstchen am Stück. Und lange gelbe Därme für Aufschnittwurst. Hiervon gibt es eine Extraportion. Die ist wichtig, denn die ist für jedes Kind im Laden, das die Frage nach dem Stückchen Wurst mit ja oder auch einfach einem zustimmenden Kopfnicken beantwortet. Und welches Kind von fleisch- und wursteinkaufenden Erziehungsberechtigten kann dazu schon nein sagen. Eben drum, die Extraportion.
Die gleiche Grundmasse wandert schließlich auch in Naturdärme für feine vorgebrühte Bratwürste. Hier ist die Menge überschaubar. In unserer Gegend hat man es gerne ein bisschen grober. Gerne dick. Auch gerne dünn. Grob muss sie sein. Die Bratwurst. Aber auch die Exoten aus befreundeten Bundesländern sollen sich wohlfühlen und vor der Theke strahlen. Wir haben da was Feines.
Jetzt dringen wir in fremdes Territorium ein. Zumindest wurstig. Gespickt mit Zwiebeln und frischer Petersilie verwandelt sich das narturdarmumschlossene Brät zu Münchner Weißwürsten. Wir drehen eine ganze Menge davon ab. Schließlich isst man im Normalfall immer ein Paar. Da kann es auch schon mal die doppelte Menge sein.
Während die pökelsalzlosen Hellgrauen im Brühofen hängen, widmen wir uns den Blassroten. Aufschnittwurst muss her. Wir wolfen und kuttern eine ganze Menge Basisbrät. Ohne jede weitere Zutat ist es nicht langweilig, sondern einfach Lyoner. Mit bunten Paprikastreifen wird es zur Paprikalyoner. Mit Käsewürfeln zur Käsewurst. Und mit Eiern und ein bisschen Paprika zu Eierwurst. Fügt man dem Basisbrät gepökelte magere Fleischstücke in Gulaschwürfelgröße hinzu, erhält man Bierschinken.
Die Hellgrauen wollen aus dem Ofen befreit werden. Genug der Hitze. Das Dampfbad ist zu Ende. Um neun Uhr lassen wir uns eine Weißwurst schmecken. Direkt aus dem Ofen. Was die Bayern können, können wir schon lange.
Zurück zum Basisbrät. Ohne alles wird es zum feinen Fleischkäse, mit einem Anteil nur grob gewolftem und nicht gekutterten Fleisch zu grobem Fleischkäse. Mit Röstzwiebeln verwandelt sich das Brät zu Zwiebelfleischkäse und mit Paprika, Käse und Salamiwürfeln lassen wir jeden Italiener neidisch werden. Voilà, der Pizzafleischkäse.
Zum guten Schluss ist heute auch noch Bierwurst an der Reihe. Hierfür brauchen wir Rind. Wir stellen aus recht mageren Stücken ein feines Rinderbrät her, das um einen nicht ganz so feinen Schweineanteil ergänzt wird. Eine Gewürzmischung mit den obligatorischen Senfkörnern erledigt den Rest.
Wir sind durch mit dem heutigen Programm. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Zum Mittagessen gibt es heute Bratkartoffeln mit Beilage nach Wahl. Ich entscheide mich für Fleischkäse italienischer Art. Fantastico.
Ciao ragazzi. Bis morgen früh in alter Frische.
Yeah! Go for it …
Alles Gute, Tom
Mir läuft das Waser im Munde ……….