(6) Pilze Kopie

Mein Praktikum in der Kleinmarkthalle bei Obst und Gemüse – Tag 6

Neue Woche. Neues Kleinmarkthallenglück.

Sieben Uhr am Montagmorgen. Nach einem Tag Pause hat er mich wieder. Der kulinarische Schmelztiegel Frankfurts. Ich bin glücklich, wieder hier zu sein. Schöner kann eine Arbeitswoche wohl kaum beginnen. Zahllose Köstlichkeiten links. Rechts. Davor. Und auch dahinter. Auf geht’s.

Meine Kollegen sind schon da. Die Container aus dem Kellerkühlhaus stehen in Reih und Glied im Gang neben unserem Stand und warten darauf, von uns entladen zu werden. Wir entladen sie. Alles läuft nach einem seit Jahren bewährten System. Jede Kiste hat ihren Platz. Jede Steige ihren Ort. Jeder Karton seine Stelle.

Parallel dazu treffen die Einkäufe vom Großmarkt ein. Es folgt ungefähr eine Stunde ein geregeltes Chaos, innerhalb dessen Kisten, Kartons, Container, Rollwagen hin und her, rauf und runter, getragen, geschoben, verladen, sortiert, gezogen, gestapelt, abgeladen, umgeschichtet, aufgeteilt, geordnet, weggefahren, eingereiht und aufgestellt werden. Ich kontrolliere die Ware und untersuche sie auf etwaige Schadstellen. Unter anderem auch eine Kiste Pfifferlinge. Meine guten alten Bekannten, denen ich heute allerdings ihre feinen Sandkörnchen mittels intensivem Putzen nicht raube, sondern großzügig zurücklasse. In dieser Angelegenheit kann ich sehr großzügig sein.

Pünktlich zum Toresaufschluss sieht alles wieder zum anbeißen aus. So soll es sein. Die Kunden können kommen. Montags hält sich die Einkaufslust allerdings noch ziemlich in Grenzen. Das schlechte Gewissen der vielen Wochenendvöllereien scheint doch recht groß zu sein. Mir gibt das die Gelegenheit, mit Ruhe und der Hilfsbereitschaft meiner Kollegen Kunden zu bedienen. Meine Kunden. Vom Anfang bis zum Ende. Von der ersten Bestellung bis zum kassieren. Ich bin ein bisschen stolz.

Und so nimmt der Montag langsam aber sicher seinen Lauf. Gegen Mittag zieht das Geschäft ein bisschen an. Die Mittagspausenbesorgungen werden erledigt. In einem Haushalt wird es abends eine Pilzpfanne geben. Champignons, Shiitake, Kräuterseitlinge und Pfifferlinge sollen es sein. Die Pfifferlinge sind schadstellenfrei. Alle anderen Pilze selbstverständlich auch.

Ab zwei Uhr wird es ruhiger. Die Mittagspause ist rum. Die Schreibtische fordern wieder Schreibtischtaten ein. Vereinzelt besuchen uns Stammkunden. Vereinzelt auch Touristen, die dem naheliegenden Weihnachtsmarkt und dem allgegenwärtigen Friteusenfett entfliehen wollen. Sie sind willkommen. Und dürfen auch gerne an einer genussreifen fettfreien Ananas riechen. Ganz pur. Und ohne Schokoglasur.

Am frühen Nachmittag verabschiede ich mich von meinen Kollegen. Und vom Chef. Mit ihm fahre ich morgen noch einmal zum Großmarkt. Ananas kaufen.

 

 

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