Früh. Früher. Großmarkt.
Mein letzter Tag. Es ist kurz vor vier Uhr. Mein Wecker klingelt. Zum Schluss meines Praktikums mache ich noch einmal die Nacht zum Tag. Der Großmarkt ruft. Und mit ihm alles, was wir am Stand und für die Auslieferungen benötigen. Eine Stunde später treffe ich den Chef an der Einfahrt. Unsere Shoppingtour kann beginnen.
Ähnlich wie bei meinem ersten Besuch drehen wir unsere Runde. Feldsalat hier. Paprika, Gurken und Bananen dort. Ananas, Clementinen, Orangen und Fenchel ein bisschen weiter. Äpfel und Birnen wieder woanders. Kräuter beim Kräuterspezialisten. Zucchini, Auberginen und Zitronen beim nächsten. Blattsalat nur das nötigste, der nicht heute nicht so schön. Auf halber Strecke nehmen wir den ersten Kaffee. Man kennt sich. Auch ich habe das eine oder andere Gesicht letzte Woche schon gesehen.
Der Kaffee tut gut. Mit einem Plastikbecher Koffein sieht die Großmarktwelt doch gleich ganz anders aus. Der morgendliche Smalltalk mit den anderen Frühaufstehern oder wahlweise Spätinsbettgehern tut das Übrige. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Weiter geht’s. Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln, Chili, Granatäpfel, Limetten, Pilze, Stangensellerie und Tomaten. Und hier noch etwas. Und da noch etwas. Fertig. Zweiter Kaffee. Derselbe Stand. Dieselben Menschen. Derselbe Rhythmus.
Gegen halb acht sind wir mit jeder Menge frischer Ware an der Kleinmarkthalle. Wir laden aus. Was bis vor einer Stunde noch dunkel und widerstandsfähig verpackt war, glänzt jetzt im Licht. Jede Gurke geht auf Brautschau. Jede Mango wirbt um Genießer. Alle haben sich fein gemacht. Und alle geben alles. Was aber wirklich zählt, das sind die inneren Werte. Und davon haben sie reichlich. Alle. Keine Blender. Die süß-saftigen Clementinen oder der knackig-frische Spitzpaprika überzeugen jeden Zweifler.
Für mich geht am Nachmittag mein einwöchiges Praktikum in der Kleinmarkthalle zu Ende. Überzeugt werden musste ich nicht. Der Blick hinter die Kulissen hat aber das bestätigt, wovon ich immer ausgegangen bin. Bei uns am Stand ist enorm viel Leidenschaft im Spiel. Für ein gutes Produkt. Für Qualität. Für Frische. Vor allem aber eines. Leidenschaft für die Kunden. Jeden Tag.
Von dieser Leidenschaft konnte ich mich eine Woche auch hinter der Theke überzeugen. Ich danke dem Chef fürs Möglichmachen und allen meinen Kollegen am Stand für die herzliche Zeit zwischen Rosenkohl und Feldsalat. Danke für den Morgenkaffee, danke fürs soufflieren der Artikelnummern, danke für die perfekt geschälten Probierclementinen zwischendurch. Und danke für alles, was ich von ihnen gelernt habe. Es sind tolle Menschen. Ich werde mich unheimlich gerne an die genussvolle Zeit bei ihnen in der Kleinmarkthalle erinnern.
Meine kulinarische Entdeckungsreise führt mich im Januar an die Nahe. Da gibt es Wein. Guten Wein. Da gibt es Winzer. Gute Winzer. Und bei einem von ihnen bin ich eine Woche als Praktikant. Und darüber berichte ich selbstverständlich auch.
Ach schade, dass die Lesepause so lang dauert… schreib doch was über die Parties im Dezember 😉