(9) Gewürz Kopie

Mein Praktikum in einer Metzgerei – Tag 9

Ein Bild von einer Wurst

Die gestrigen Schnippelvorbereitungen zahlen sich heute aus. Ohne große Umwege landet die erste Ladung Fleisch im Wolf. Unser Tag beginnt mit kleinen Minisalamis. Bei uns heißen sie einfach Salametti. Diese wunderbaren köstlichen Einmalportionen werden, einmal probiert, ganz schnell zu Zweimalportionen oder Dreimalportionen oder auch einem beliebigen Vielfachen davon. Wie dem auch sei, wir brauchen Nachschub. Und wo Nachschub gebraucht wird, sind wir pflichtbewusst zur Stelle. Kurz nach dem ersten Kaffee hängt der kleine Zwischendurchsnack im Reifeschrank. Ruhet sanft, ihr kleinen Würste.

Dann geht es an die Bratwurst. Nicht an irgendeine Bratwurst, sondern an eine mittelgrobe Bratwurst in drei exotischen Geschmacksvarianten. Die Gewürzmischungen stehen. Es kann losgehen. Ran an den Wolf und fertig machen fürs Grobe. Fertig. Die Hälfte wandert eine Station weiter in den Kutter. Fein gemacht. In der Mengwanne wird dann alles wieder eins. Mittelgrob.

Wir dritteln die Grundmasse, je etwa fünfzehn Kilogramm, und geben je nach Variante weitere Gewürze und Zutaten dazu. Da gibt es die eher frische Variante mit Zitronenabrieb, die italienische mit getrockneten Tomaten und für die winterlichen Temperaturen etwas mit Apfel und Zimt, um nur ein paar dieser bratwurstuntypischen Bestandteile zu nennen.

Das Brät wandert in bratwursttypische Därme, die wiederum zu bratwursttypischen Größeneinheiten abgedreht werden. Dreimal Bratwurst. Dreimal mittelgrob. Dreimal ungewöhnlich. Dreimal lecker. Saulecker. Nach dem Brühen ist vor der Geschmackskontrolle. Ein dreifach Hoch auf die mittelgrobe Bratwurst.

Wir beschließen den Tag in der Wurstküche mit den Vorbereitungen für Kochschinken. Teile vom Bug werden akribisch ausgelöst, vom Knochen befreit, die Stücke entschwartet und schließlich gepökelt. Morgen geht es dann weiter. Stück für Stück. Dann bringen wir sie in Form. Und auch auf Temperatur.

Morgen geht es auch noch einmal rund. Zum einen ist morgen Samstag. Und samstags ist der Laden voll. Von der ersten bis zur letzten Minute. Da heißt es, ständig für Nahschub sorgen und den Wochenendeinkauf der Kunden zu einem rundum gelungenen Gesamterlebnis machen. Zum anderen wird morgen ein Rind geliefert. Nach all den Sauereien der letzten Tage für mich zum guten Schluss noch einmal eine Horizonterweiterung. Auf die freue ich mich sehr. Meinen weißen Metzgeroverall vermisse ich aber schon jetzt. Ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt. Nicht nur wegen der brühwarmen Zwischendurchmahlzeiten. Bei weitem nicht.

Samstag, ich komme. Und ich freue mich auf jeden einzelnen Kunden.

  3 comments for “Mein Praktikum in einer Metzgerei – Tag 9”

  1. Luigi
    24. November 2014 at 1:13

    Hallo Herr Beckmann, wunderbare kulinarische Serenaden. Eine Ode an die literarisch stimulierte Geschmacksknospe! Weiter viel Spass bei Deinen Erkundungen.
    Ach ja – eignet sich eine kurze Zwischenlandung in FRA fuer einen Bratwurstkauf?
    Wir hoffen Ihr hattet einen entspannten Sonntag!

    • 24. November 2014 at 18:08

      Lieber Luigi, Zwischenlandungen in FRA lohnen sich immer. Wenn zur Bartwurst dann auch noch ein Kaltgetränk unserer Wahl hinzukommt, umso besser. Ihr seid herzlich willkommen. Jederzeit. Für Fleisch-/Wurstwaren und entsprechende Rahmenbedingungen wird gesorgt. Ganz liebe Grüße in die Heimat der Pastéis, Herr Beckmann

      • Luigi
        3. Dezember 2014 at 23:59

        Hallo lieber Herr Beckmann
        Am 10.12. bin ich wieder fuer ein paar „Minuten“ in FRA – so die Lufthansa es zulaesst.
        Ich melde mich!

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