Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Da ist er also. Mein letzter Tag in der Metzgerei. Passend zum guten Schluss gibt es heute noch einmal etwas Besonderes. Gegen acht Uhr wird ein Rind geliefert. Genauer gesagt zwei Rinderhälften. Dachte ich schon beim halben Schwein an tierische Ausmaße, muss ich meinen Eindruck beim Rind am Haken um Längen revidieren. Dann mal ran an Säge und Messer und auf zum fröhlichen Rinderklein. Filet, Roastbeef, Hüfte, Tafelspitz, Oberschale und all die schönen Stücke dazwischen lassen mir schon im Urzustand das Wasser im Mund zusammenlaufen. Der Gedanke an Kurzgebratenes und Langgeschmortes in veredelter Form lässt aus den kleinen Rinnsalen dann reißende Ströme werden.
Dann ereilt uns ein Sonderwunsch. Es werden Fackeln benötigt. Grillfackeln. Zwanzig Stück an der Zahl. Gut, dass Wintergrillen immer populärer wird und es sich deshalb nicht mehr wirklich lohnt, die grillspezifischen Utensilien ins Winterlager zu schicken. Die Holzspieße sind griffbereit, der Schweinebauch sowieso. Jetzt heißt es, Längsaufschnitt und aufgewickelt. Das Speckige muss ums Runde. Eingeölt und grillgewürzt warten die zwanzig Fackeln jetzt aufs Feuer. Weber Marsch.
Zwischendurch werden immer wieder Köstlichkeiten aus dem großen Kühlhaus benötigt. Sei es Gesalzenes oder ein sieben Wochen lang am Knochen trocken gereiftes Tomahawk-Steak oder Nachschub an Frankfurtern oder Hähnchenbrüste oder was auch immer der Wunsch des Kunden ist. Uns ist er Befehl. Denn die Zufriedenheit unserer Kunden liegt uns am Herzen. Sehr am Herzen.
High Noon ist vorüber, die Ladentür fällt ins Schloss, das Wochenende kann kommen. Für mich ist meine Praktikantenzeit vorbei. Eine schöne Zeit, in der ich viel gesehen, erfahren und gelernt habe. Aber noch viel mehr. Ich habe auch in diesen zehn Tagen Menschen kennengelernt, die ihr Handwerk nicht nur bestens beherrschen, sondern die mit Lust und Leidenschaft dafür leben. Das kann man sehen. Das kann man aber auch schmecken.
Ich bin glücklich und froh darüber, einen Traditionsbetrieb kennengelernt zu haben, bei dem Qualität über allem steht und der jenseits der Massenbetriebe viel Wert auf seine Lieferanten und damit die Herkunft der Tiere legt. Ohne diese Basis nützen die besten Gewürze und Rezepturen nichts. Wenn beides aber zusammenkommt, ist das ein Glücksfall für alle Beteiligten.
Ich danke dem Metzgermeister von ganzem Herzen für eine für mich sehr spannende Zeit und wünsche dem kompletten Team auch weiterhin den Erfolg, der ihnen gebührt. Ich werde die Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde, nicht vergessen und freue mich schon jetzt auf den nächsten Samstagseinkauf. Meinen Samstagseinkauf mit Fleischsalat, grober Mettwurst, gekochtem Schinken, und Paprikalyoner. Und diesem noch. Und jenem auch.
Ab kommenden Mittwoch wechsle ich das Genre. Dann vergleiche ich eine Woche lang Äpfel mit Birnen. Oder Erbsen mit Möhren. Kleinmarkthalle, ich komme.