Nachts, wenn alles schläft.
Mein Wecker klingelt um Viertel nach drei. Guten Morgen. Heute geht es los mit Obst und Gemüse. Ich werde eine Woche lang dem bunten und vitaminreichen Treiben rund um einen Stand in der Kleinmarkthalle beiwohnen.
Der Tag startet mit dem täglichen Einkauf in der Großmarkthalle, Wobei die Großmarkthalle ja eigentlich nicht mehr Großmarkthalle heißt, sondern Frischezentrum. Wow. Klingt ähnlich stromlinienförmig und modern wie Commerzbank-Arena anstelle des altehrwürdigen Waldstadions. In beiden Fällen ist mir allerdings die nostalgisch-antiquierte Form um Längen sympathischer. Telefone mit Wählscheibe wünsche ich mir trotzdem nicht zurück.
Um halb fünf bin mit dem Inhaber des Obst und Gemüse Standes in der Kleinmarkthalle am Eingang der Großmarkthalle verabredet. Mein drittes Abenteuer beginnt.
Routiniert geht der Obst-, Gemüse- und Südfrüchtekenner mit mir durch die beeindruckenden Hallen. Überall stapeln sich Palette und Kisten mit allem, was das Herz begehrt. Es scheint, als gäbe es nichts, was es nicht gibt. Paradiesische Zustände, wobei die irdischen Früchte im Gegensatz zu manch anderen selten verboten sind. Wir dürfen auf jeden Fall bleiben. Auch nach dem Kauf etlicher Steigen himmlischer Äpfel.
Gang für Gang und Stand für Stand schütteln wir Hände, öffnen Kisten, begutachten Ware, machen Druckproben, prüfen Fische, kontrollieren Farben und entscheiden uns dann dafür. Oder auch dagegen. Um die Ecke sind die Mangos vielleicht noch eine Spur köstlicher. Oft lohnt sich nämlich der Blick um die Ecke. Manchmal reicht es aber auch schon, die oberen beiden Kisten beiseite zustellen und bei der dritten zuzuschlagen. Gekauft.
Wie durch Geisterhand ist dann nach zweieinhalb Stunden Einkauf von Großgebinden bei ungefähr zehn unterschiedlichen Händlern die komplette Ware in unserem Lieferwagen verstaut. Kleinmarkthalle, wir kommen.
Ausladen und sortieren. Was wird sofort auf dem Stand gebraucht und was kann in das Zwischenlager in den Kellerkatakomben? Was benötigen wir für die Auslieferungen an Hotels? Was für die an Restaurants? Wir sortieren, disponieren und lagern. Ein. Und auch aus.
Nachdem nahezu alle Kisten ihren jeweiligen Bestimmungsort gefunden haben, wird die Ware auf dem Stand herausgeputzt. Ich fülle Zwiebeln auf. Weiße. Rote. Echalotten. Lege Paprika nach. Rot. Gelb. Präpariere Rotkohl. Arrangiere Staudensellerie. Inszeniere Brokkoli. Die Bühne steht. Der Vorhang fällt.
Jetzt noch die Auslieferungen. Ein mal kreuz und quer durch die Innenstadt. Zwei Restaurants und zwei Hotels warten auf ihre Ware. Sie bekommen sie. Pünktlich zugestellt und freundlich ausgeliefert. So sind wir.
Morgen geht es für mich um halb sechs direkt in die Kleinmarkthalle. Wo die Nachfüllzwiebeln lagern, weiß ich schon.
Endlich angekommen bei meiner Lieblingsstation! Bin gespannt, wie die Woche wird!