(11) Messer Kopie

Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 11

Ein ganz normaler Samstag.

Pünktlich um 14 Uhr ist die Besatzung komplett in der Küche versammelt. Eigentlich könnte heute ein ganz normaler Tag werden. Keine Feierlichkeiten im Festsaal, kein Außer-Haus-Event und auch keine großen Vorbereitungen, die für nächste Woche zu treffen sind. Noch nicht einmal ein Fond, der leise vor sich hinblubbert. Aber – es ist Samstag und samstags geht man gerne aus. Gerne auch zum essen. Und sehr gerne zu uns ins Restaurant. Wir sind ausgebucht.

Für mich beginnt der Arbeitstag mit einer Überraschung. Der Chefkoch informiert mich darüber, dass später ein zweiter Praktikant kommt. Ein potenzieller Azubi wird uns den Tag über begleiten. Ich soll mich um ihn kümmern und ihm alles zeigen. Ich bin ein bisschen gerührt und fühle mich irgendwie ganz gut als Oberpraktikant.

So putzen wir dann zusammen, aber unter meinen strengen Blicken, Rosenkohl, bereiten Schupfnudeln vor, schneiden Röstgemüse und widmen uns nach dieser intensiven Einarbeitungsphase dann auch den empfindlichen Dingen: den Pfifferlingen. Da ich zu dieser Zeit schon großes Vertrauen in den Jungpraktikanten habe und sein Engagement von großer Leidenschaft geprägt ist, beschließe ich, dass er diese Aufgabe durchaus schon ohne permanente Aufsicht erledigen kann. Ich widme mich derweil einer Ente, die ich wieder liebevoll mit Äpfeln, Zwiebeln und ein wenig Zitrusfrucht stopfe. Als ich damit fertig bin, sind es die Pfifferlinge auch. Gut gemacht.

Wir nähern uns in schnellen Schritten der magischen Uhrzeit, zu der beide Zeiger in Habachtstellung stehen. Jetzt noch schnell ein kleines Personalessen und die Show kann beginnen. Eine halbe Stunde später warten wir immer noch auf den ersten Bon. Uns schwant Schlimmes. Ganz langsam geht es dann aber los. Nicht wild, alles noch sehr entspannt. Zwei kleine Vorspeisen hier und drei Hauptgerichte dort. Keine Sonderwünsche. Keine Allergien. Kein Hexenwerk.

Und dann geht es los. Innerhalb kürzester Zeit regnet es Bons. Es folgen zwei Stunden allerhöchste Konzentration. Jeder weiß, was er zu tun hat. Jeder funktioniert wie ein Uhrwerk. Jeder kann sich in diesem Augenblick auf den anderen verlassen. Der Dirigent am Pass koordiniert die einzelnen Spieler und setzt das Stück zusammen. Sobald ein Tisch geschickt ist, geht es zum nächsten. Keine Pause, kein großes Durchatmen.

Gut, dass die Messer gewetzt sind. Heute Abend haben sie einen Großeinsatz. Genauso wie die Pfannen, Töpfe, Sauteusen, Bretter, Mixer, Bleche, Öfen, Spachtel, Pinsel und was sich sonst noch so in der Küche befindet. Heute haben wir jedes Küchenutensil mindestens einmal in der Hand gehabt.

Die letzten Teller sind raus. Und plötzlich haben alle diesen glücklichen Gesichtausdruck. Inklusive Juniorpraktikant. Geschafft. Die Anspannung legt sich und wandelt sich in große Befriedigung. Wir haben die Küche gerockt. Der Dirigent ist zufrieden. Sehr zufrieden.

Aufgeräumt, geputzt und geschrubbt wird dann auch noch. Und so steht am Ende wieder jedes Teil genau da, wo es auch hingehört. Und auch die Messer warten in Reih und Glied auf ihren nächsten Einsatz.

Sonntag, wir kommen. Ich bin dabei.

  4 comments for “Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 11”

  1. 2. November 2014 at 11:32

    Sonntagmorgen, ist sitze mit einem Kaffee am Tisch und genieße meine neue Tageslektüre – Deinen Blog. Ich glaube, Beckmann, Du erfüllst nicht nur Deine Gäste am Buffet mit großer Freude sondern auch viele Deiner Freunde. Mich auf alle Fälle! Deine Zeilen klingen so positiv und zufrieden, so als wolltest Du die Küche nie mehr gegen etwas anderes eintauschen. Mach weiter und mach endlich mal ein Selfie mit Kochschürze und -mütze! Kannst auch was drunter ziehen 😉

  2. Beckfrau
    2. November 2014 at 12:24

    Will auch ein selfiiie! Und eins vom Team!

    Vielleicht auch vom Wellnesstag morgen

  3. Luigi
    2. November 2014 at 16:45

    Voller Verzückung lese ich mich von Tag zu Tag. Hallo Herr Beckmann! Ist das schön!

  4. 4. November 2014 at 10:37

    Liebster Becki,

    Das ist wunderbar! Ich freue mich sehr mit Dir, dass Deine Leidenschaft, die schon so lange in Dir war, sich nun entfalten kann! Bleib dran, genieße jeden Tag und mach das, was dein Herz berührt. Der Rest kommt von alleine.

    Und natürlich würde ich auch mal gerne Dein Pappen-, besser Messerträger, sein!

    Auf hoffentlich bald. Egal ob zur Ente oder Linseneintopf….

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