(8) Zironenzesten Kopie

Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 8

Es geht Richtung Halbzeit.

So schnell kann es gehen. Kaum hat man ein paar Körbe Pfifferlinge geputzt, ist die Hälfte der Praktikantenzeit auch schon rum. Ein schönes Gefühl. Nicht, weil die erste Woche endlich vorbei ist, sondern weil ja glücklicherweise noch eine zweite folgt. 14 Uhr: die Kochjacke ist angezogen, die Schürze umgebunden. Der Saucensansatz von gestern blubbert leise vor sich hin.

Heute möchte der Chefkoch ein neues Dessert ausprobieren. Zirtronentarte mit Himbeersorbet. Letzteres steht bereits fertig in der Kühlung. Die kleinen Küchlein müssen erst noch gebacken werden. Ich darf die sauren Vorbereitungen treffen. Wir benötigen von fünf Zitronen die Zesten. Die werden dann in Läuterzucker gebadet und aufgekocht und finden ihren finalen Platz auf den Tartes inmitten eines wunderbaren Zitronengusses. Noch haben wir aber keine Zesten. Und meine Frage nach einem Zestenreißer wird vom Chefkoch müde belächelt. Also gut. Mit dem Sparschäler schäle ich ganz vorsichtig die gelben Schalen herunter. Heikel aber lösbar. Und mit dem wahrscheinlich schärfsten Messer der Küche schneide ich aus den Schalenstücken feinste (!) Juliennestreifen. Sehr heikel. Aber auch das ist lösbar. Mit viel Geduld, einer Menge Zeit und größter Vorsicht. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis. Als wir das fertige Törtchen später probieren, sind wir alle sehr begeistert. Es kann auf die Abendkarte.

Nach dem Ausflug in die Exotik wird es wieder bodenständiger. Rosenkohl muss geputzt werden. Ein halber Sack und damit eine halbe Stunde meditatives Werken. Danach bereiten wir Kürbiskrokant-Parfait zu. Großartig – nicht nur wegen des eingearbeiteten Rums. Die Rieseportion wird in siebzig kleine Weck-Gläser als Teil eines Arrangements gefüllt, der Rest wandert in größere Formen als Einzeldessert. Die Sache mit dem Spritzbeutel ist dabei auch heute wieder nicht unproblematisch. Aber was wäre mein Küchenleben ohne diese Herausforderungen.

Langsam aber sicher rollt das Abendgeschäft an. Wir nutzen die noch verbleibende Zeit für ein kleines Personalessen. Ich darf für die Crew Schnitzel braten. Wir essen sie zusammen mit Kartoffelpüree und Tomatensalat im Stehen und rühren dabei in den Töpfen. Ein ganz wunderbarer Moment.

Dann kommt der erste Bon. In der Vorspeise zweimal Carpaccio. Ich schaue kurz zum Chefkoch und die Aufschnittmaschine gehört an diesem Abend mir. Scheinbar war er mit meinem gestrigen Fleischaufschnitt zufrieden. Ich bin es auch. Und glücklich dazu. Im Laufe des Abends kommen noch einige Teller an rohem Rind dazu. Ich fühle mich von Scheibe zu Scheibe sicherer.

Zwischendurch gibt es auch immer mal wieder ein Schnitzel auf den Weg zu bringen. Nach einer Woche Übung läuft das ziemlich rund. Die Blasen der Panade sprechen da eine recht eindeutige Sprache.

Um kurz vor zehn ist der Service durch. Aufräumen, putzen und ab nach Hause. Meine Kochjacke nehme ich heute mit. Sie sehnt sich nach Wasser. Und nach Persil. Und vielleicht auch nach Lenor. In den letzten Tagen hat sie einen Großteil der Speisekarte gesehen. Jetzt möchte sie neu beschrieben werden.

Pfifferlinge waren heute übrigens in geputzter Form noch ausrechend viele da. Fast habe ich ein bisschen Sehnsucht.

  8 comments for “Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 8”

  1. Beckfrau
    30. Oktober 2014 at 7:06

    Uuuh! Beantrage hiermit baldigst Zitronen

  2. 30. Oktober 2014 at 10:31

    Lieber Beckmann,

    ich fand schon Deine Idee grandios, Praktika zu machen! Den Blog finde ich ebenso schön. Es ist, als wäre man ein wenig dabei. Das ist gut so, denn so vermissen wir Dich in Frankfurt ein kleines bisschen weniger. Mach zwischendurch mal ein Selfi vom Praktikanten! Ganz liebe Grüße und wenn Du zurück kommst, sehen wir uns und dann habe ich eine leckere Flasche Wein für uns.

    Cheers
    Erich

    P.S: Darf ich den Blog weiterempfehlen?

    • 30. Oktober 2014 at 10:56

      Lieber Erich,

      vielen Dank für den schönen Kommentar.
      Selbstverständlich darfst du den Blog empfehlen.
      Ich freue mich über jeden Leser. Sehr sogar.

      Kulinarische Grüße
      Herr Beckmann

  3. Ernsti
    30. Oktober 2014 at 21:05

    Toll! Ich bin schon gespannt, wie es weiter geht! Und meine Hoffnung auf Herrn Beckmann bei uns ums Eck steigt wieder! Obwohl die Euphorie bei den Kühen mir schon ein wenig Angst macht, dass Du in Hövelhof bleibst…

    • Beckfrau
      31. Oktober 2014 at 7:38

      Nix da, Nici … Der kommt mal schön wieder nach Hessen. Wobei ich glaube, dass er sich in seiner Pension mit all inclusive Service ganz wohl fühlt

  4. Christa
    30. Oktober 2014 at 22:07

    Ja, es ist als ob man ein bischen dabei wäre. Wir freuen uns jeden Tag auf deine Berichte. Super schön.
    Liebe Grüße aus ORO
    Christa und Kalli

  5. Aenie
    30. Oktober 2014 at 22:08

    ich freue mich wie steffi auf die zitrone, lecka! und auf die weitere lektüre! hab viel spass und lern fleissig :-)

  6. Philipp
    30. Oktober 2014 at 22:43

    Lieber Becki,

    wer hätte das gedacht, daß Du mal einen Blog schreiben und – noch erstaunlicher- daß ich mal einen lesen würde. Wir sind in der Zukunft angekommen. Es macht außerordentlich viel Spaß, Dich bei Deinem Ausflug zu begleiten und mitzubekommen, wie das in einer Profiküche alles so läuft. Schön auch zu lesen, daß alles von Hand gemacht wird, besonders das Pilzeputzen 😉 Freue mich schon auf unser nächstes Treffen und das Resümee. Schauen wer mal!

    Ganz liebe Grüße nach Ostwestfalen

    Philipp

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