(2) Basissauce Kopie

Mein Praktikum in einer Profiküche – Tag 2

Die Spannung steigt.

Am Morgen noch Ruhe. Wahrscheinlich ist es aber nur die Ruhe vor dem Sturm. Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite genieße ich noch die Stunden in Freiheit, auf der anderen Seite soll es aber jetzt auch endlich losgehen.

Und dann ist es soweit. Um 14 Uhr öffnet sich für mich die Tür, durch die ich jetzt zwei Wochen lang gehen werde. Ich werde herzlich empfangen. Nach einem kurzen Plausch bei einer Tasse Kaffee bespricht der Chefkoch mit mir, was mich in den kommenden Tagen erwartet. Es ist alles dabei: kleine Festivitäten, große Feiern, Caterings, Mittagsgruppen, Abendveranstaltungen und ach ja – auch der ganz normale À-la-carte-Service. Wobei „normal“ nicht immer normal ist. Aber der Reihe nach.

Mein Praktikum beginnt mit Knochen hacken und Röstgemüse vorbereiten. Vierzig Liter „braune Basissauce“ wollen angesetzt werden. Und da passiert es schon. Bei der dritten Zwiebel bin ich wohl ein bisschen zu engagiert. Mein Engagement wird mit einem Schnitt in meinen linken Zeigefinger belohnt. Nach einer halben Stunde das erste Pflaster. Das ist wohl das, was man einen Traumstart nennt. Glücklicherweise sollte es für heute der einzige Verband bleiben.

Auf Zwiebeln scheiden folgt Gräten ziehen. Acht Lachsforellenfilets wollen von ihrem lästigen Beiwerk befreit werden. Da habe ich Übung. Das geht recht gut. Danach muss ein Trio mit Dessertgläschen befüllt werden: dreißig mal Kürbiskernparfaitmasse, dreißig mal Schokoladenkuchenteig und dreißig mal Mascarponecreme. Das mit den Spritzbeuteln ist schon eine große Sauererei, vor allem, wenn es um zähzähzähflüssigen ungebackenen Schokoladenkuchen geht – trotzdem recht souverän erledigt.

Zwischendurch noch mit dem Chefkoch zusammen ungefähr vierhundert Haselnussschupfnudeln gedreht und vorgekocht, Ofengemüse geschnippelt, Nudelteig gemacht und mühevoll geschmeidig handgeknetet und und und …

Und dann ist es soweit: Der Abendservice naht und das Warten auf den ersten Bon beginnt. Gleich zu Beginn ein Fünfertisch. Und fünf unterschiedliche Gerichte. Bravo. Das liebt die Küche. Ich stehe beeindruckt in der Ecke und staune. Staune einmal mehr über die Logistik und die Rädchen, die ineinandergreifen, die unterschiedlichen Hände, die sich auf wundersame Weise gleichzeitig am Pass vereinen und einen Teller zusammensetzen. Toll.

Es folgen unter anderem dreimal Schnitzel einmal aber bitte mit Pommes, zweimal Rinderfilet, einmal bitte zusätzlich mit Pfifferlingen, einmal Kabeljau, den aber gerne mit Nudeln. OK – dann drehen wir mal eben schnell ein paar Tagliatelle durch. Ist doch kein Problem, wir haben ja vor zwei Stunden Nudelteig gemacht. Nochmal Schnitzel, jetzt bitte aber ohne Sättigungsbeilage – nur Salat. Aber auf keinen Fall Rucola. Aha. Soviel zum Thema „normal“. Da ist doch der Wunsch nach ein bisschen zusätzlicher Sauce für die Rinderfilets geradezu sympathisch und wird selbstverständlich genauso erfüllt, wie alle anderen Wünsche auch.

Nach gut zweieinhalb Stunden höchster Konzentration ist es geschafft. Ein wahnsinnig aufregender, abwechslungsreicher und spannender erster Tag in der Küche geht gegen 22 Uhr zu Ende. Viel erlebt. Viel gesehen. Viel gemacht. Jetzt noch aufräumen, saubermachen und kurz den morgigen Tag besprechen.

Um 11 Uhr geht’s zum Großmarkt. Ich freu’ mich drauf.

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