(3) Theke Kopie

Mein Praktikum in einer Metzgerei – Tag 3

Auf die Plätze. Fertig. Los.

Samstag. 6:30 Uhr. Die Ruhe vor dem Sturm. Heute widmen wir der Theke unsere komplette Aufmerksamkeit. Nichts darf fehlen. Alles muss in ausreichender Menge vorhanden sein. Das komplette Verkaufspersonal inklusive den Metzgern hilft, die Auslage so herzurichten, dass einem schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammenläuft. Jedes Stück Fleisch wird herausgeputzt, jede Wurst ins rechte Licht gerückt. Fertig. So kommet zuhauf.

Bevor wir allerdings die Tür zum Paradies für die Menge öffnen, stärken wir uns für den samstäglichen Ansturm noch mit einer Delikatesse aus gestriger Produktion. Leberwurst. Genauer, Delikatessleberwurst mit Trüffeln. Der heutige Wunschbelag fürs Brötchen. Schmeckt großartig. Fünf Minuten bevor es offiziell losgeht und noch bei Tische, sehen wir schon mehrere ungeduldig Wartenden vor dem verschlossenen Tor zum Glück. Wir erlösen sie und sperren auf. Guten Morgen.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Es gibt kaum eine Phase, in der niemand im Laden steht. Die drei Verkäuferinnen und der Metzgermeister haben alle Hände voll zu tun. Und auch ich habe den modischen Overall und die bodenlange Schürze gegen eine showroomtaugliche Verkaufsjacke getauscht. Ich bin heute dafür zuständig, immer wieder benötigte Ware aus dem Kühlhaus in den Verkaufsraum zu bringen oder im angrenzenden Vorbereitungsraum ein bisschen zu vakuumieren oder frische Brötchen nachzuliefern oder oder oder. Auf jeden Fall habe ich Sichtkontakt zur Kundschaft. Und gepaart mit Freundlichkeit sieht da ein adäquater Verkaufsdress einfach besser aus als eine wasserfeste Metzgerschürze.

Überaus glücklich macht mich der Metzgermeister damit, als er mich zwischendurch zu einer Kundin in den Laden ruft und bittet, ihr mein Kalbsbäckchenrezept zu verraten. Sie ist sich etwas unsicher in der Zubereitung der gerade erstandenen Schmorware. Wir besprechen die diffizile Angelegenheit recht detailliert. Gewürze, Dauer der Schmorzeit, Menge des Röstgemüses, richtiger Zeitpunkt für die Zugabe von Wein uns so weiter. Wir sind uns einig. Ein letzter Tipp rund um einen kleinen Schuss Portwein wird von der Kundin dankbar mit nach Hause genommen. Sie ist glücklich. Ich bin es auch. Sehr sogar.

Die Zeit vergeht schnell. Beinahe wir im Flug. Mit jeder Einkaufstüte mehr wird die Theke ein klein wenig entlastet. Echte Ladenhüter gibt es keine. Wir sind zufrieden. Ein guter Samstag. Nach knapp fünf Stunden Dauerbetrieb können jetzt auch die Schneidemaschinen durchatmen. Das Tagewerk ist vollbracht. Jetzt heißt es für alle Beteiligten aufräumen, wegpacken, saubermachen, wischen, desinfizieren und die Theke in einen nahezu jungfräulichen Zustand versetzen. Das Metall funkelt, die Lichter spiegeln sich. Die Sonntagsruhe kann kommen.

Unser anschließendes Mittagessen steht in einem großen heißen Topf vor uns. Rindswurst, Fleischwurst und Frankfurter. Brötchen. Senf oder Ketchup. Ich bin unentschlossen. Und um nicht etwaiger verpassten Bedürfnisbefriedigungen später hinterher trauern zu müssen, beuge ich vor. Ich entscheide ich mich für eine Trilogie der heißen Würste. Dreimal eine gute Wahl. Satt.

So wie die Theke glänzt und auf ihren nächsten Einsatz wartet, so strahle auch ich am Ende der Arbeitswoche über beide Ohren. Ich freue mich schon auf Montag. Da machen wir wieder Wurst.

Schönes Wochenende. Der Fleischsalat für Sonntag ist eingepackt.

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